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Die Sinterstufen
im Lillachtal Die Lillach bei Weißenohe Bei der Lillach handelt es sich um einen der in Deutschland sehr seltenen Kalktuffbäche. Vom Weißenoher Ortsteil Dorfhaus ausgehend, erreicht man die Lillachquelle über den romantischen Teufelsgraben (Gelb-Strich Wanderweg) nach gut zwei Kilometern. Im Jahr 1976 wurden die Sinterstufen in der Lillach wegen ihrer Schönheit und Besonderheit zu einem flächenhaften Naturdenkmal erhoben und befinden sich seit 1995 in einer Schutzzone des "Naturparks Fränkische Schweiz". Die Sinterstufen sind über 10.000 Jahre alt und in der letzten Eiszeit entstanden. Schäden an der Lillachquelle Hochwasser im Frühjahr und starke Regenfälle spülten den die Lillach begleitenden Schotterweg über die Jahre hin sehr stark aus. Die Lillach verlagerte dadurch ihren Lauf und das ursprüngliche Bachbett mit den wertvollen und seltenen Sinterstufen führte immer weniger Wasser. 1997 drohten die Sinterstufen gar endgültig auszutrocknen. Da der Sintervorgang unter Beteiligung ganz spezieller Algen erfolgt, die auf das Element Wasser angewiesen sind, hätte dieses Trockenfallen auch das nahe Ende der Sinterstufen bedeutet. Weitere Schäden rührten auch von der intensiven Begehung des schmalen Ufersaums durch Besucher des Lillachtales her. Dies führte ebenfalls zu Verlagerungen des Bachlaufs. Über teilweise überschwemmte Trampelpfade wurde zudem Erdreich in die Lillach eingespült, was Veränderungen des Bachsediments und der Nährstoffzusammensetzung des Wassers zur Folge hatte. Die Sanierung der Sinterstufen Die Gemeinde Weißenohe hat daraufhin die Lillach mit ihren Sinterstufen saniert. Dabei wurde der Uferrand mit großen Steinen befestigt. Der Fußweg wurde ausgebaut und vom Bach getrennt. Die ursprünglichen Trampelpfade wurden vom Bach weg auf eine höher gelegene Wiese verlegt. Experten haben die Kalktuffbecken fachmännisch gereinigt und entlang der Lillach wurde ein Lehrpfad angelegt, der die Besonderheiten des Lillachtales aufzeigt. Diese sehr kostenaufwendige Umgestaltung wurde mit Mitteln der Europäischen Union gefördert und vom Landschaftspflegeverband Forchheim unterstützt. Auch viele Weißenoher Bürger haben unentgeltlich mitgeholfen, damit dieses einmalige Naturdenkmal erhalten bleibt. Im April 1998 wurde das Naturdenkmal der Sinterstufen wieder für die Öffentlichkeit freigegeben. Zur Entstehung Tuffbäche, wie die Lillach, entstehen nur dort, wo sie über sehr kalkhaltiges Wasser verfügen. Hierfür sind mehrere Faktoren ursächlich. Regenwasser, welches zunächst auf die Hochfläche niederfällt, enthält viel Kohlendioxid und wenn es durch das Kalkgestein sickert, löst sich ein Teil des Kalks dabei aus dem vorhandenen Gestein. Danach tritt das kalkhaltige und kohlendioxidangereicherte Wasser in Form von Quellen und Bächen wieder zutage. Sprudel und Verwirbelungen im Bach sorgen anschließend dafür, dass das Kohlendioxid wieder entweicht und der Kalk ausfällt. Feine Kalknadeln lagern sich dann an den Pflanzen ab. Moose und Algen wirken der Verkrustung entgegen und wachsen über die verkalkte Schicht hinaus. Am Ende dieses Prozesses entstehen stockwerkartige Kalkgebilde, sogenannte Tuffe. Gleich den "Steinernen Rinnen" bauen sich die Sinterstufen jährlich um zwei bis drei Millimeter auf. Entscheidend für die Bildung der zauberhaften Tuffkaskaden ist zudem eine notwendige Beteiligung von Pflanzen, die den Vorgang der Tuffbildung erst auslösen. Dabei muss genügend Licht auf den Bach fallen, damit die entsprechenden Moose wachsen können. Besonders wichtig sind auch am Uferrand stehende Bäume, um die Nahrungskette der im Tuffgestein lebenden Tiere aufrecht zu erhalten. Das Lillachtal - Heimat für seltene Tiere und Pflanzen Um und in der Nähe des Biotops der Lillach, einem relativ kühlen und nährstoffarmen Wasser, siedeln sich in diesem Einflussgebiet vornehmlich eigens angepasste Spezialisten an. In Mitteleuropa haben etwa 1.500 Tiere und Pflanzen in unmittelbarer Nähe solcher Kalkquellen ihren Lebensraum. Davon sind rund 500 sogar streng an die Lebensverhältnisse dieser Tuffbäche gebunden. Die Lillach erfüllt also mit ihren Tuffkaskaden auch eine wichtige Aufgabe als Rückzugsgebiet für viele seltene und vom Aussterben bedrohte Tiere und Pflanzen. Hierzu gehören beispielsweise der Feuersalamander, die Wasseramsel, die zweigestreifte Quellenjungfer - eine Großlibelle - und verschiedene Pflanzen wie das Moschus- oder Milzkraut. Weiterhin finden sich hier alleine 120 Schmetterlingsarten und viele seltene Käfer. Die Hälfte dieser Tiere stehen auf der "Roten Liste". Informationstafeln Die Gemeinde Weißenohe hat für die Besucher des Lillachtales mehrere Schautafeln angebracht. Sie sollen über die natürlichen Besonderheiten des Lillachtales informieren und über angemessenes Verhalten aufklären. Im Einzelnen werden folgende Informationen gegeben:
Wir bitten alle Besucher
des Lillachtales Ihre Gemeinde Weißenohe Tafel 1: Der Kalktuffbach Lillachtal
Tafel 2: Zuhause von Lurch und Freunden vom Leben im Kalktuffbach Naturnaher Wald am Bach Die Bäche in dieser Gegend sind natürlicherweise von Laubwälder umgeben. Das ins Wasser hineinfallende Laub und die Äste sind wichtig für den Bach; sie stellen die Grundlage für die Tuffdämme dar, dienen Arten wie der Köcherfliegenlarve als Baumaterial für ihre Hülle und bilden gleichzeitig die Nahrung von Tieren wie dem Bachflohkrebs. Tuffdämme sind sehr empfindlich, sie wachsen nur 3 mm im Jahr. Wie Kalktuff entsteht Kohlendioxid (CO²) aus der Luft löst sich im Regenwasser und wird zur Kohlensäure. Diese löst unterirdisch Kalkgestein auf (Höhlenbildung!). Tritt das Wasser an Quellen zutage, kann Kohlendioxid entweichen und der Kalk fällt in Form einzelner Nadeln wieder aus. Diese Nadeln werden durch Algen, Moose und anderes Pflanzenmaterial zurückgehalten und bilden das neue Gestein Kalktuff. Tiere im Kalktuffbach Am Grunde des Baches leben u.a. die Larven von Köcherfliegen, Stein- und Eintagsfliegen sowie Bachflohkrebse. Sie ernähren sich von Kleingetieren im Bach und von hereingefallenen Blättern und Ästen. Der Feuersalamander, der das Jahr über auf dem Land lebt, setzt im Frühjahr in die Becken des Kalktuffbaches seine Jungen ab. Diese wachsen den Sommer über im Wasser heran und gehen im Herbst an Land. Die jungen Feuersalamander ernähren sich vor allem von Bachflohkrebsen. Am oder über dem Bach baut die Wasseramsel ihr Nest. Sie ist gut an ihrer hellen Brust zu erkennen. Sie fängt ihre Beute, wie Salamanderlarven oder kleine Fische, im Wasser.
Tafel 3: Die Wasseramsel Die Wasseramsel lebt am Wasser und baut ihr Nest am oder über dem Bach. An das Leben am und unter dem Wasser ist die Wasseramsel hervorragend angepasst. Sie verfügt über eine Bürzeldrüse, diese schützt ihr Gefieder vor Nässe. Außerdem hat sie schwere Knochen, die ihr das Tauchen erleichtern. Dadurch ist die Wasseramsel für längere Flüge nicht geeignet. Die Wasseramsel ist in ganz Bayern in ihrem Bestand gefährdet und steht deshalb auf der "Roten Liste". Tafel 4: Der Feuersalamander Der Feuersalamander (Salamandra Salamandra) gehört wie die Frösche, Kröten und Molchen zu den Lurchen (Amphibien). Im Gegensatz zu seinen Vettern bringt er seine Jungen lebend, nicht als Laich, zur Welt. Jedes Jahr im Frühjahr suchen die Tiere immer wieder die gleichen Becken an einem Bach auf, um dort bis zu 30 Jungen pro Weibchen abzusetzen. Salamander werden erst mit 6 Jahren geschlechtsreif und können im freier Wildbahn bis zu 30 Jahre alt werden. Die ins Wasser abgesetzten Jungtiere leben den Sommer über im Wasser, atmen mit Kiemen, und verwandeln sich im Herbst, bevor sie aufs Land gehen, in die typisch gefärbten Salamander, die mit Lungen atmen. Die Hauptnahrung erwachsener Tiere besteht aus Würmern, Käfern und anderen Gliedertieren. Die Jungtiere im Wasser ernähren sich u.a. von Bachflohkrebsen, Köcher-, Stein- und Eintagsfliegenlarven! Den Winter verbringen die Tiere in Erdspalten, Steinen und im Wurzelhöhlen. Früher glaubte man, dass die Tiere wegen ihrer Zeichnung Feuer löschen können. Daher haben sie ihren Namen.
Tafel 5: Lebensraum Quelle Wo die Quellenjungfern wohnen Von den Quellen aus beginnt sich im Frühjahr das Leben in Feld und Flur zu entfalten. Deshalb werden diese Orte als Wilkommensgruß an die Natur zu Ostern geschmückt. An den Mitteleuropäischen Quellen leben etwa 1.500 Tiere- und Pflanzenarten, von denen rund ein Drittel streng an diesen Lebensraum gebunden ist. Da Quellen oft weit von einander entfernt liegen, können sich die Arten kaum zwischen diesen Stellen austauschen. Die gestreifte Quelljungfer (Corgulegaster bidentata) Eine in Bayern vom Aussterben bedrohte Libellenart, legt in die Moospolster von Quellen ihre Eier ab. Aus diesen schlüpfen die Larven, die im Bodensubstrat des feuchten Mooses bis zu fünf Jahren leben können Sie ernähren sich während dieser Zeit von Bachflohkrebsen und anderen Kleintieren. Wenn sich groß genug sind, verwandeln sie sich in prächtige Großlibellen. Die Verbindung zum Grundwasser und damit zu unserem Trinkwasser macht Quellen so schützenswert. Das über das gesamte Jahr gleichmäßig temperierte, 8 bis 9° C. warme Wasser macht die besondere Lebenssituation an Quellen aus.
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| Gemeinde Weißenohe Letzte Änderung: 04. Mai 2001 |
| Hier noch ein Link mit Bildern der Sinterstufen auf der Home Page von Wolfgang Fischer, Sanitärinstallation, Weißenohe. |